Wetterstation Oberthal - Bilderarchiv - Unwetter - Superzelle 23. Juli 2009

Superzelle, 23. Juli 2009

Durch Föhneinfluss blieb die eigentliche Kaltfront längere Zeit über dem Jura stationär. Dabei konnte die Sonne nach einem kurzen Schauer am Morgen noch mehrere Stunden einheizen. So sammelte sich mit jeder Minute Energie an, die mit eintreffen der Kaltluft kurz nach 16:00 in Form einer gewaltigen Superzelle (starkes, rotierendes Gewitter; tritt in der Schweiz eher selten auf) freigesetzt wurde.

Untenstehend die Tagesgrafik vom WsWin.
Rekord 1: Während Durchzug des Unwetters stieg der Luftdruck innert 8min von 16:06 bis 16:14 von 1001,9 auf 1010,1hPa, also um 8,2hPa in nur 8min. Das ist absolut wahnsinnig.
Rekord 2: Die Niederschlagsrate betrug um 16:14 unglaubliche 886,2mm/h. Es ist möglich, dass die Hagelkörner da als Fehlerquelle in Frage kommen, dennoch ist der Vergleich zum bisherigen Rekord von 150mm/h aus dem 2007 imposant. Hätte es eine Stunde so weitergeregnet wie um 16:14, wären bereits 2/3 des üblichen Jahresniederschlages gefallen gewesen. Glücklicherweise war dies nicht der Fall, denn bereits nach einer Minute mit 2,8mm liefen Bäche über die Strassen.

Blick Richtung Aaretal, Stockhornkette:

Zu dieser Zeit wehte bereits Wind in der Stärke von 5 Beaufort (30 bis 40km/h) aus östlicher Richtung, was ein deutliches Zeichen dafür war, dass das Gewitter feuchtwarme Luftmassen in sich hineinsaugt, denn die Zugrichtung der Zelle war genau entgegengesetzt.

Die Fractus waren genial:

In nordwestlicher Richtung war es zwar etwas grünlich, sah aber eher nach Starkniederschlag aus. Doch plötzlich ging es los. Ohne vorher gross zu regnen, fielen von einem Moment auf den anderen Hagelkörner von durchschnittlich 2 bis 3, maximal 4cm vom Himmel. Dazu wehte ein stürmischer Wind und es wurde recht dunkel. Zeit: Ca. 16:10.
Nachfolgend ein Video, zwischen dessen erstem - und letztem Bild in Wirklichkeit 31 Sekunden vergehen: http://www.metradar.ch/forum_uploads/videos/20090724_190553__Silas__Hagel_4cm.mov

Sofort war überall Wasser:

Die Abflüsse waren mit der bald extrem hohen Niederschlagsrate total überfordert.

Wenig später wird das Ausmass des kurzen, aber heftigen Hagelsturms sichtbar:

Ungefähr zu der Zeit, wo das nachfolgende Bild aufgenommen wurde, trafen erste Unwetterwarnungen (SF Meteo, SMA) ein mit Ratschlägen wie, das Auto unterzustellen. Sie sehen, wie viel das noch bringt:

Eine knappe halbe Stunde nach Durchzug der Superzelle auf der Suche nach dem grössten Hagelkorn:

Et voilà:...

...oder doch nicht? Jedenfalls gewichtsmässig ist dieses wesentlich beeindruckender, da rund. Damit solche Geschosse in der Wolke schweben, sind Aufwindgeschwindigkeiten von bis zu 100km/h erforderlich!

Man beachte das Anemometer:

Oh schreck, seither messe ich Windstille (das Schalenkreuz zum Erfassen der Windgeschwindigkeit ist abgefallen):

Nachfolgend ein Satellitenbild der Superzelle. Diese zog innert wenigen Stunden vom Genfersee über das Emmental bis nach Westösterreich.


Quelle: www.sat24.com.

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